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Anti-Dekubitus-Sitzkissen

Anti-Dekubitus-Sitzkissen

Anti-Dekubitus-Sitzkissen

von Frank von MSBlogPlus.de | 21. September 2026 | Gesundheit, MSBlog-Magazin | 0 Kommentare

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Mit umfassender Erfahrung beim Sitzen habe ich mich auf den Weg gemacht und nach weiteren Recherchen zu „Anti-Dekubitus-Sitzkissen“ alles in einem Bericht für unsere Leserinnen und Leser zusammengefasst. Persönliche Eindrücke sowie verschiedene Tests über Wochen und Monate vermitteln die Sichtweise eines MS-Erkrankten über die unterschiedlichen Jahreszeiten hinweg, da diese einen erheblichen Einfluss auf das Sitzen für Rollstuhlfahrende haben.

1.557 Wörter


Persönliche Erfahrungen mit "Anti-Dekubitus-Sitzkissen" und MS unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Jahreszeiten!

Anfang Juli 2026 hatten wir im Blog den »Erfahrungsbericht zum Netti-Sitzkissen« veröffentlicht. Heute vertiefen wir uns nochmals im Thema »Anti-Dekubitus-Sitzkissen«. Meine ausführlichen Ausarbeitungen, die gerne einen Blick über den Tellerrand bietet, findet ihr im Anschluss an den Teaser. Dort erfahrt ihr außerdem, welchen Einfluss die Jahreszeiten auf das Thema haben. 

Anti-Dekubitus-Sitzkissen
Anti-Dekubitus-Sitzkissen

Die Auswahl eines geeigneten Anti-Dekubitus-Sitzkissens ist nicht nur bei Multipler Sklerose (MS) eine anspruchsvolle und wichtige Aufgabe. Bei MS spielen nicht nur Lähmungen und Sensibilitätsstörungen eine Rolle, sondern auch Spastiken, die eine stabile Sitzbasis erfordern, und das Uhthoff-Phänomen, bei dem sich die Symptome durch Wärme verschlimmern können. Die Berücksichtigung der vier Jahreszeiten und des jeweiligen Mikroklimata (Wärme- und Feuchtigkeitsstau) verdeutlicht, dass es kein einziges Material gibt, das das ganze Jahr über optimal geeignet wäre. Die ideale Kombination aus Kissenkern und Bezug ist entscheidend. Das Problem mit den Jahreszeiten bei MS ist oftmals unterschätzt.

Die Thermoregulation stellt bei MS die größte Herausforderung dar. Schwitzen im Sommer kann zu Hautaufweichungen (Mazeration) führen, während Kälte im Winter die Spastik verstärken kann. Weiterhin verändern manche Kissenmaterialien je nach Außentemperatur ihre Eigenschaften – eine Erfahrung, die ich in all den Jahren mit MS machen durfte. Der Stress gegen die Hitze im Frühling und Sommer: Um Dekubitus zu vermeiden, ist es entscheidend, Hitze- und Feuchtigkeitsstau zu verhindern. Wenn die Haut durch Schweiß aufweicht, steigt das Dekubitusrisiko deutlich an und Rötung an Problemstellen sind deutlich schneller sichtbar. Viskoelastischer Schaum (Memory Foam) ist ein Problemmaterial, da er auf Körperwärme reagiert und im Sommer extrem weich wird. Er schließt die Wärme stark ein und führt zu starkem Schwitzen. Daher ist die sorgfältige Auswahl des Materialies für Kern und Sitzbezug von großer Bedeutung.

Die Luftzellenkissen (z. B. ROHO): Sie bestehen im Inneren nur aus Luft, wo sich die Wärme deutlich weniger als bei dickem Schaumstoff dauen kann. Auch hier kommt es auf den Bezug an, gerade im Sommer. Thermoregulierende Kissen, die eine offene Thermoplast-Wabenstruktur aufweisen, sind komplett durchlüftet und ermöglichen so eine schnellere Schweißverdunstung. Für optimalen Komfort im Sommer ist ein 3-D-Netzbezug empfehlenswert. Vermeiden sollte man wasserdichte Inkontinenzbezüge direkt auf der Haut, da diese wie eine Plastiktüte wirken und das Schwitzen verstärken können. Ähnlich gehe ich bei meiner Matratze vor, da es der gleiche Effekt wäre. Vor Jahren hatte ich eine Operation wegen Dekubitus und achte daher sehr genau auf jede kleine Rötung. Der Herbst und der Winter stellen besondere Herausforderungen für die Kissenpflege dar, da sie Kälte und Verhärtung verursachen. Im Winter können zwei Hauptprobleme auftreten: Das Kissen kann sich draußen steinhart anfühlen und die Kälte kann schmerzhafte Muskelspastiken auslösen. Ich kann dies aus eigener Erfahrung bestätigen, da ich hier eine steile Lernkurve hinter mir habe.

Der Hauptschuldige ist erneut der viskoelastische Schaum. Bei niedrigen Temperaturen verhärtet er sich vollständig und verliert seine druckentlastende Funktion, bis er durch die Körperwärme allmählich wieder aufgewärmt ist. Dies erhöht das Sturzrisiko beim Transfer, da das Kissen entweder rutschig oder unnachgiebig wird. Besonders schwierig war dies beim Umsetzen vom Rollstuhl ins Auto und zurück.

Gel-Schaum-Hybridkissen oder Kaltschaumkissen bieten eine Lösung. Hochwertiger Kaltschaum bleibt auch bei Kälte flexibel und bietet sofortige Druckverteilung. Bei Luftzellenkissen behält die Luft ihre Flexibilität auch bei Kälte, allerdings kann sich die Luft im Inneren kühl anfühlen, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Zusätzlich zum Kissen selbst sollten Sie einen atmungsaktiven, aber leicht wärmenden Bezug in Betracht ziehen, beispielsweise einen mit integriertem Schurwoll-Anteil, sofern dieser die Druckentlastung nicht beeinträchtigt. Im Winter sollten MS-Erkrankte klassische Körnerkissen und intensive Heizdecken auf dem Dekubitus- Kissen vermeiden. Sensibilitätsstörungen können dazu führen, dass sie eine Überhitzung nicht wahrnehmen, was zu schweren Verbrennungen führen kann. Besser geeignet sind spezielle, medizinisch zugelassene Thermodecken für die Beine und Schlupfsäcke. Auch bei älteren Sitzheizungen (Kfz) ist erhöhte Vorsicht geboten; Erfahrungen aus der Vergangenheit bestätigen diese Recherche.

In diesem Fall ist es besonders wichtig, sich mit Fachleuten zu beraten und verschiedene Kissen auszuprobieren, wobei die unterschiedlichen Jahreszeiten und Temperaturen berücksichtigt werden sollten. Es ist eine Herausforderung, einen Ganzjahreskompromiss für den Alltag mit MS zu finden, und erfordert Geduld von allen Beteiligten. Da die Krankenkasse nicht alle sechs Monate ein neues Kissen bezahlt, verwenden die meisten Betroffenen zwei verschiedene Bezüge, um das Mikroklima zu steuern. Dies birgt jedoch ein gewisses Risiko, abhängig von der Art der MS und den individuellen Auswirkungen. Für die wärmeren Monate empfiehlt sich ein hochatmungsaktiver, offenporiger Mesh-Bezug, der eine gute Luftzirkulation unter dem Gesäß ermöglicht. In den kälteren Monaten hingegen ist ein elastischer Jersey-Bezug in Kombination mit einem wind- und wetterfesten Schlupfsack für draußen ideal, um ein Auskühlen des Kissens zu verhindern. Achten Sie beim Kauf oder der Verordnung über das Sanitätshaus unbedingt darauf, dass das Kissen das Sitzklima aktiv reguliert. Solche Kissen werden oft als »mikroklimatisch« bezeichnet und bieten Ihnen gleichzeitig ausreichend Stabilität für den Transfer. Es ist wichtig, das große Ganze zu sehen: Jedes Sitzkissen setzt einen Rollstuhl voraus, und hier spielt der Rücken eine entscheidende Rolle. Daher ist es von Bedeutung, dem Rücken des Rollstuhls besondere Aufmerksamkeit zu schenken.


Nano X – Netti Precision 2
Final: Nano X – Netti Precision 2

Die Idee, täglich zwei verschiedene Sitzkissen zu verwenden, erscheint zunächst als praktischer Tipp, insbesondere für Menschen mit MS, um sich flexibel an Temperaturwechsel, Spastiken oder Müdigkeit im Laufe des Tages anzupassen. In der therapeutischen Praxis ist dieser Ansatz jedoch mit Vor- und Nachteilen verbunden, wie mir aus Erfahrung berichtet wurde. Es gibt einige echte Vorteile, aber auch unterschätzte Risiken. Hier einige Überlegungen, die für oder gegen diese Praxis sprechen.

Anpassung an den Tagesverlauf (Fatigue & Tonus): Viele MS‑Erkrankte haben morgens noch mehr Kraft und eine bessere Rumpfstabilität. Ein festeres Kissen (z. B. Kaltschaum/Gel) kann den leichteren Transfer unterstützen. Nachmittags, wenn die Fatigue einsetzt oder die Spastik zunimmt, kann ein maximal druckentlastendes Kissen den Körper spürbar entlasten.

  • Mikroklima-Wechsel: Wenn Sie nach drei Stunden auf einem Gelkissen stark schwitzen, kann der Wechsel auf ein atmungsaktiveres Waben- oder Luftkissen für die zweite Tageshälfte der Haut eine dringend nötige „Atempause“ verschaffen.
  • Anderer Belastungspunkt: Ein Wechsel verändert die Belastungspunkte auf die Sitzbeinhöcker minimal, was theoretisch der Dekubitusprophylaxe dienen kann.

Das Höhenproblem, also die korrekte Einstellung des Rollstuhls, ist entscheidend. Ein Rollstuhl wird millimetergenau auf ein bestimmtes Kissen eingestellt, das die Rückenhöhe, die Armlehnen und den Abstand des Fußbretts berücksichtigt. Luftkissen können jedoch im Vergleich zu Schaumstoffkissen deutlich höher oder tiefer sein. Ein Wechsel des Kissens führt daher zu einer Fehlausrichtung der gesamten Ergonomie des Rollstuhls. Dies kann zu Nackenschmerzen, Atembeschwerden oder falschem Druck an den Füßen führen.

Ein weiterer Aspekt ist der Verlust der Konstanz bei Spastik. Das Gehirn und die Muskeln gewöhnen sich an eine bestimmte Sitzbasis. Wenn sich der Untergrund ständig ändert – mal stabil und fest, mal instabil und wackelig wie bei einem Luftkissen –, kann dies die Spastik verschlimmern. Der Körper versucht dann ständig, die Balance neu zu finden, was der Grund dafür ist, dass ich kein Luftkissen mehr verwende.

Außerdem besteht ein erhöhtes Fehlerrisiko beim Handling von Luftzellenkissen. Diese müssen perfekt eingestellt sein, insbesondere der Ventildruck. Bei täglichem Wechsel steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kissen falsch platziert, der Bezug verdreht oder der Luftdruck nicht korrekt ist – und genau dann besteht das Risiko eines Dekubitus. Nicht jeder verfügt über Pflegekräfte oder Assistenzpersonal, die diese Anforderungen verstehen und umsetzen können. Schließlich stellt sich das Kostenproblem. Krankenkassen übernehmen in der Regel nur ein Kissen als Hilfsmittel für den Rollstuhl. Ein zweites, hochwertiges Anti-Dekubitus-Kissen muss in der Regel vollständig selbst bezahlt werden, obwohl es Ausnahmen gibt, die jedoch selten vorkommen.

Täglich zwischen zwei Kissen zu wechseln, ist nur dann ratsam, wenn beide exakt die gleiche Sitzhöhe entsprechen und die Sitzstabilität durch den Wechsel nicht beeinträchtigt wird. Solltest du es dennoch ausprobieren wollen, sprich es unbedingt mit Physio- oder Ergotherapeuten ab, um sicherzustellen, dass die Sitzposition in beiden Fällen stabil bleibt. Nach dem Wechsel von zwei Arogn2-Rollstühlen zu einem Nano V und einer deutlichen Veränderung der Sitzbreite und -tiefe ist dies für mich unumgänglich geworden.


Erfahrungsbericht zum Netti-Sitzkissen

Während des Tests beider Kissen wurde deutlich, dass das Netti Precision 2 vom getesteten Prototyp strukturell so verändert wurde, dass es zwar im Laufe der Zeit weniger nachgibt, aber in meinem Alltag nicht verwendet werden sollte, da es mir in der Endversion mehr schadet als hilft. Das Netti Precision 2 vom Kostenträger genehmigt und längst geliefert, kann aus einem weiteren Grund nicht eingesetzt werden. Die Tiefe des Sitzkissens ist nicht identisch zum Prototypen und passt nicht in den Nano X. Genau auf der Kante (Bein-Po) zur Mitte hin drückt es auf meine OP-Narbe und sorgt für Schmerzen. Glücklicherweise ist dies längst behoben und das Sitzen im Alltag stellt so kein Problem mehr dar.

Zusammenfassend hat sich das „Netti Precision 2“ mit 5 cm Kissenhöhe im Alltag bewährt. Ein Wechselkissen, das der Kostenträger bereits genehmigt hat und auf dem Weg zu mir ist, wird mein Sitzen in allen Jahreszeiten unterstützen. Ich danke allen Beteiligten – und das waren einige – herzlich im Interesse meiner Restgesundheit. D.A.N.K.E.

Frank, alias MS.Powerman
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