Im heutigen »Kapitel – wegen MS« geht es ums Thema Schlafen, genauer um unseren Schlaf. Die Nachtruhe sollte man bei MS (Multiple Sklerose) gleich mehrfach im Blick behalten – was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Doch dazu gleich mehr...
MS und Schlaf – ein Problem der besonderen Art
Das ist in der Tat ein Problem der ganz besonderen – und leider regelmäßig unterschätzten Art. Wenn Multiple Sklerose (MS) und Schlafstörungen aufeinandertreffen, ist das kein normales „Ich kann mal nicht einschlafen“. Es ist oft ein Teufelskreis, weil MS den Schlaf stört, und der Schlafmangel wiederum die MS-Symptome (besonders die Fatigue und die Schmerzwahrnehmung) massiv verstärkt. Bei MS ist der Schlaf selten durch nur eine Ursache gestört. Meistens ist es ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren.
Die häufigsten „Schlafräuber“ bei MS
- Spastiken und Krämpfe: Muskelsteifigkeit oder plötzliche, schmerzhafte Einschusszuckungen (Einschlafmyoklonien) treten besonders abends auf, wenn der Körper zur Ruhe kommt.
- Blasenstörungen (Nykturie): Wenn die MS-Läsionen die Signale der Blase stören, wacht man nachts mehrmals auf, weil man das Gefühl hat, dringend auf die Toilette zu müssen.
- Missempfindungen (Parästhesien): Brennen, Kribbeln, das Gefühl von „Ameisenlaufen“ oder schmerzhafte Kälte-/Hitzegefühle in den Beinen machen das Entspannen fast unmöglich.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): MS-Betroffene leiden überdurchschnittlich oft an unruhigen Beinen, die einen ständigen Bewegungsdrang erzwingen.
- Fatigue und veränderter Biorhythmus: Die typische MS-Müdigkeit führt oft dazu, dass man tagsüber schläft, was den eigentlichen Nachtschlaf komplett aus dem Takt bringt.
- Medikamente: Manche MS-Therapien (wie Interferone oder Stoßtherapien mit Kortison) können als Nebenwirkung massive Schlafstörungen oder innere Unruhe auslösen.

Was kann man tun? (Ein paar Ansätze)
Weil das Problem so komplex ist, hilft die klassische „Trink warme Milch“– Schlafhygiene allein meistens nicht. Man muss gezielt an den Symptomen ansetzen.
- Symptomtagebuch führen! Notiere dir ein paar Tage lang, *warum* du aufwachst oder nicht einschlafen kannst. Sind es Schmerzen? Ist es die Blase? Ist es das Gedankenkarussell? Das ist die wichtigste Basis für das nächste Arztgespräch.
- Timing der Medikamente prüfen! Sprich mit deinem Neurologen oder deiner Neurologin. Manchmal hilft es schon, den Einnahmezeitpunkt bestimmter Medikamente von abends auf morgens zu verschieben.
- Gezielte Abendroutine gegen Spastiken! Dehnübungen oder Physiotherapie kurz vor dem Schlafengehen können die Muskeln für die Nacht lockern. Auch Wärme (oder Kälte, je nachdem, was dir bei deiner MS guttut) kann helfen.
- Flüssigkeitsmanagement! Bei Blasenproblemen die Trinkmenge ab dem späten Nachmittag reduzieren (natürlich ohne tagsüber zu wenig zu trinken) und Koffein/Alkohol am Abend meiden.
Nimm dieses Problem bitte nicht einfach als „gehört nun mal zur MS dazu“ hin, diesen Fehler haben bereits einige vor uns getan. Schlaf ist für das Nervensystem und die Regeneration bei MS essenziell. Welches Symptom hält dich denn nachts am meisten wach? Sind es eher die körperlichen Beschwerden oder die unruhigen Gedanken?
Meine Antwort auf die Fragen vom letzten Absatz ist schnell getroffen: körperliche Beschwerden und unruhige Gedanken, faktisch im Doppelpack.
Meine persönliche Schlafhygiene ist eine ständige Baustelle. Sobald eine Herausforderung gemeistert ist, taucht meist eine neue auf. Deshalb gilt für mich, aktiv am Ball bleiben, auch wenn mir dazu die nötige Kraft nicht zu Verfügung steht.
Bis bald!






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